ai/free poetry

Was ich in diesem Sommer lernte

Das lehren die Berge: 
dass die Welt in der Höhe
nicht sanft ist, wie sie
in den Städten der Ebene glauben.
Dass sich jederzeit jede Lage verändert,
das Erhabene endlich sich doch niederlegt,
das am Boden Liegende aber
sich aufschwingt,
jede Wahrheit beschattet,
jeder Zweifel besonnt wird,
wo Sonne wie Schatten gerade noch
in die Felsen gemeißelt erschien.
Das zeigt der Wasserfall: 
dass die Schwerkraft sich nie
einen Fehler erlaubt und auch uns nicht,
denn jeglicher Tropfen Wasser und Blut
muss, einmal vergossen,
hinab in die Erde.
Aber durch ihren Schoß
tritt das Beerdigte
wieder zu Tage. Nur eine Frage
der Zeit, wann und wie
schnell sie das Leben
auf anderen Wegen in Umlauf bringt.
Davon berichtet der Nebel: 
dass alles,
was sich in Wolken hüllt, trügt.
Dass, wo Titanen
mit Schwefeldampf drohen,
das Aufklaren nur verdorrende Wipfel enttarnt.
Dass die Distanz, die Phantome
auf uneinnehmbaren Sitzen
uns per Trugbild zu wahren gebieten,
bei besserer Sicht
federleicht überbrückbar erscheint
und sich dem Ansturm
der Ferngehaltenen beugt.
Das flüstert der See: 
Schau, ich schweige
und glätte die Wogen
mit meiner lang erprobten Geduld,
bis sie nicht länger spiegeln,
was auf mich niederfuhr
aus den von Spannung
zerrissenen Sphären.
Doch in der Tiefe bewahre ich alles,
was sich entlud
und balle die Flut
zu einer gläsernen Faust,
die eines Tages
den Gipfeln entgegenspringt,
und der Felsen wird splittern von ihrem Schlag.
Eine Forelle, aus ihrem Bachlauf gerissen
vom Angler, erschlagen
und zwischengelagert im Gras,
zieht, wie ich’s schon einmal erlebte,
die Summe
als noch im Tode wahrsagender Fisch:
Alles, so gibt sie stimmlos zu Protokoll,
läuft auf das Runden des Kreises zu.
Aber danach,
mit neuer Umdrehung,
wird im Wasser das Mühlrad
sich wälzen über die schuldigen Leiber
im Zorn.
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