Kurz vor der Mitte des Jahres, an diesen längsten der Tage, die mir mit jedem Frühsommer kostbarer werden, bin ich ein Schwamm. Doch nicht vollgesogen mit Nässe, nein: Ich sauge, ich saufe den letzten Rest Helligkeit aus den Stunden vor Mitternacht, all diesen kostbaren Gelée royale: feuriges Abendrot sogar manchmal! Aber am purpurgetränkten Himmel verbluten die Wolken in diesem jahreszeituntypisch stahlharten Licht.
Fast will ich da betteln: Bitte in wenigen Monaten wenigstens diesmal nicht noch einen Winter! Nicht noch einmal diese basaltgrauen Fronten ununterscheidbarer Tiefdruckgebiete, die im Gänsemarsch aufgereiht hintereinander sich trüb an den Schultern gefasst oder als Sperrkette eingehakt halten. Das bloß nie wieder! Denn über die Jahre werden sie immer noch länger und schwärzer und schwerer erträglich.
Dann jedoch halte ich inne, starr von der Ahnung, dass ich schon morgen um einen weiteren Winter auf Erden die Mächte des Himmelszelts anflehen könnte; einen, der nicht nuklear ist und der uns die Hoffnung auf Hoffnung auf Hoffnung lässt.