Straitjacket Paradise (2): Die Mauer ist weg!

Unsere Welt ist klein geworden. So klein wie eine Gummizelle: gut gepolstert, ausbruchssicher, überfüllt. Ein Elektroschock am einen Ende pflanzt sich bis zu den Insassen am anderen Ende fort. Und wir stecken mittendrin – woran TWASBO in dieser Reihe erinnert.

Auf diesem Foto vom Wochenende sehen Sie die machtvolle Demonstration der Hamburger Friedensbewegung gegen den jetzt vielleicht kurz bevorstehenden Atomkrieg wegen der Ukraine. Die einsame Parole auf Kindergartenniveau könnte durchaus auch eine der letzten Friedenswillensbekundungen in der ehemals Freien und Hansestadt sein. Solche Weltbrände, wie sie der senile US-Präsident Biden gerade mit Hilfe unserer Stahlhelm und Blei-Bustier tragenden grünen Außenministerin entfacht, entwickeln ja im ICBM-Zeitalter gern eine ungeahnt zügige Eigendynamik. Gut möglich, dass Rotgrün in Hamburg die erste Regierung dieser zweitgrößten deutschen Stadt wird, die sich sozusagen in Luft auflöst (mit der Stadt zusammen).

Aber weder die Sozis noch die Ökopaxe – damit meinte man in den 80er-Jahren die damals militant friedensbewegten Grünen – hatten am Wochenende freie Kapazitäten, um gegen den säbelrasselnden NATO-Imperialismus im Hinterhof Russlands zu demonstrieren. Tschentschers und Fegebanks StreitPolizeikräfte waren am 12. Februar jedenfalls am Alsterufer gebunden, wo sie auf unsere Nachfrage „Präsenz zeigten“. Gegen was? „Gegen Spaziergänger“, die gar keine sind, so der arglose Aufstandsbekämpfungsbeamte. Woran erkennen Sie die? „Na, wenn die so Abzeichen tragen.“ Willkommen in der behelmtenbehüteten Welt von SPD und Grünen. Die Greiftrupps mit Helm und Riot Gear (wie immer viele lachende junge Damen mit Zopf darunter) waren auch durchaus erfolgreich: Bei unserem Vorbeispazieren hatten sie ein junges Paar isoliert, das allerdings keine Abzeichen trug – vermutlich machte sie gerade das verdächtig. Der männliche Spaziergänger beharrte darauf, hier bei dem schönen Wetter bloß spazierengehen zu wollen, wurde aber dennoch nachdrücklich über die Rechtslage belehrt. Wohl so nachdrücklich, dass er tatsächlich aufbegehrte: „Ich habe immer hinter Ihnen gestanden, aber jetzt werde ich mich beschweren!“ Ach, putzig, diese jungen Menschen und ihr Urvertrauen in den Staat.

Man muss dieses Bild aus der Vogelperspektive auf sich wirken lassen: Da wandern die Sonnenhungrigen an diesem Vorfrühlungstag in solchen Massen um die Alster, dass der Rundweg wie eine Ameisenstraße wimmelt; entlang des Jungfernstiegs und der Mönckebergstraße gleicht die Karawane der Einkaufstütentragenden einem rheinischen Rosenmontagszug; Abertausende sind dort ohne Maske und ohne von irgendwem belangt zu werden an der frischen Luft unterwegs – aber Hamburgs Polizei im Bürgerkriegs-Outfit bildet Ketten, greift sich einzelne Spaziergänger heraus und umzingelt sie, da sie verdächtig sind, eine Meinung zu haben (ach nein, den Infektionsschutz nicht zu gewährleisten). Und die braven Bürger flanieren stumm an diesen gespenstischen Orwell-Szenen vorbei, keusch die Augen niederschlagend.

Unterdessen hatte sich der wöchentliche Grundrechte-Protest an den Stadtrand ins 15 Kilometer entfernte Bergedorf abschieben lassen, wo ihm sich sogleich couragierte „Omas gegen Rechts“ entgegenstellten. Gerade mal ein paar Hundert Aufrechte zogen dort noch mit dem Verfassungstext durchs zugewiesene Reservat. Und bettelten laut ihrem Telegram-Kanal am „Verhandlungstisch“ um die „Konditionen“, unter denen am 26.2. auch mal wieder im Stadtzentrum eine unbotmäßige Meinung systemkompatibel zum Ausdruck gebracht werden darf.

Viel wichtiger als Crieg und Corinna war indes das dritte Hamburger C-Ereignis des Wochenendes: Der rote Zar im Ärztekittel gewährte Consumfreiheit. Ja, wir dürfen jetzt wieder unkontrolliert Socken einkaufen gehen. Nachdem die angrenzenden Bundesländer sich schon vor Tagen aus der 2G-Idiotie im daniederliegenden Einzelhandel geschlichen hatten, blieb SPD-Tschentscher dann auch irgendwann nichts anderes mehr übrig. Aaaaaber! Damit die Bäume hier nicht in den Himmel wachsen: zu Karstadt nur mit FFP2-Maske! Zu Edeka hingegen, da reicht der alte OP-Fetzen. Das verstehen Sie doch, oder? Bei Karstadt ist immer so viel Feinstaub in der Luft. Und in der Gastronomie wird sogar gefurzt, deshalb gilt dort in Hamburg weiterhin überwiegend 2G Plus. Den sich drängenden und schiebenden Massen war es egal: Am Sonnabend wurde consumiert. Übrigens – so das Ergebnis eines Selbstversuchs – nahm man mein Geld gern auch trotz gammelig-verkeimter Hirnchirurgenmaske bei totaler Nasenfreiheit. Wir sind hier bunt und tolerant!

Und falls Sie der Propaganda geglaubt hatten, dass sich in Hamburg alle brav durchpimpfen lassen, bis der Arzt kommt, dann könnte Sie dieser Ansturm auf die Geschäfte nachdenklich machen. Da nämlich kamen sie alle aus ihren Verstecken, die Nicht-ausreichend-Immunisierten. Ein wenig war es wie damals bei der Maueröffnung, als alle offiziell ihre blauen DDR-Pässe mit gültigem Visumstempel vorzeigen sollten, aber wegen des Andrangs irgendwann niemand mehr … oh, Entschuldigung. Falsche historische Parallele.

Wenn ich ein deutsches Qualitätsmedium wäre, würde ich jetzt langsam mit den Absetzbewegungen beginnen: Wir haben bei der Hysterie nie mitgemacht! Das waren nur die da oben! Und in zehn Jahren lesen wir dann vergnügt im Archiv die Geschichten von 2020-22, sie sie zu löschen vergessen haben.

Aber nicht dass Sie glauben, hierzulande würden nunmehr Frühling, Glasnost und Perestroika Einzug halten. Um sich von dieser gefährlichen Illusion zu befreien, genügt es, den systematischen und inzwischen abgeschlossenen Umbau des Bundesverfasungsgerichts in Karlsruhe zu einer gut geschmierten Grundgesetzverschrottungsmaschine nachzuvollziehen. Versprochen: Die Lektüre lohnt – wenn sie auch nicht die Nerven schont.

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