Straitjacket Paradise (11): Sechs liebe Deutsche

Unsere Welt ist klein geworden. So klein wie eine Gummizelle: gut gepolstert, ausbruchssicher, überfüllt. Ein Elektroschock am einen Ende pflanzt sich bis zu den Insassen am anderen Ende fort. Und wir stecken mittendrin – woran TWASBO in dieser Reihe erinnert.

Auf diesem digitalen Propagandaplakat der Bundesregierung sehen Sie sechs liebe Deutsche stellvertretend für „liebe 80 Millionen“. Diese repräsentativen Lieben sind außer Rand und Band vor Lebensfreude, weil der bevorstehende und ohne Not herbeigeführte Energie-GAU sie ganz fest zusammengeschweißt hat. Sie haben sich lachend untergehakt, denn das wärmt auch im kommenden Winter und verhindert das Erfrieren eine Zeitlang. Jung und Alt tanzen maskenlos und arm in arm in den Sonnenuntergang der Mittwinternacht.

Dem Anschein nach fehlen hier zwar Ethnien und non-binäre Geschlechter, die auf Propagandaplakaten eigentlich nicht mehr fehlen dürfen, aber gemeint sind vermutlich eh nur die lieben 80 Millionen von vor 2015 (Stand heute: ca. 82 Mio). Also alle, die dumm genug waren, immer und immer wieder ihre heutigen Regierenden und sonstigen „Volksvertreter“ gewählt zu haben. Zu allem Überfluss und aus purem Nihilismus machen ihnen diese Privilegierten nun digital weis, dass sie durch solidarischen Mangelwirtschafts-Frohsinn etwas für „Deutschlands Unabhängigkeit“ tun können. Aber selbst eine derart groteske Verhöhnung, zu allem übergroßen Schaden, haben die lieben 80 Millionen sich redlich verdient.

Apropos Unabhängigkeit:

Die ehemalige Industrienation Deutschland hat bekanntlich trotz all ihrer angeworbenen Fachkräfte in Windeseile jede Art von Kulturtechnik verlernt. Was sie am allerwenigsten noch kann, ist das Verkehrswesen: weder Straßenbau noch Brückensanierung, weder Schienennetz noch ICE, weder Großflughafen noch Luftfahrt. Bestes Beispiel ist aktuell der Billigflieger Eurowings, die fliegende Resterampe der Lufthansa. Während zwei Corona-Jahren hat man bei Eurowings alles entlassen, was nicht bei drei auf dem Baum war. Und wie danken es die Passagiere? Indem sie nun plötzlich wieder viel mehr fliegen wollen! Obwohl gar kein Personal da ist. Wer konnte mit so etwas rechnen?

Während am Hamburger Flughafen noch gestrandete Passagiere herumirren, die dort vor drei Wochen ihre Koffer und Kleinkinder als vermisst gemeldet haben, packt das Eurowings-Management die Probleme jetzt aber knallhart an. Wie das kaputtgesparte Revolverblatt „Hamburger Morgenpost“ berichtet, berichtet das kaputtgesparte Qualitätsmedium „Hamburger Abendblatt“, dass ein Eurowings-Sprecher die ausgedünnten Flugpläne auf vielen Strecken folgendermaßen begründe: „Mit den Streichungen hoffe man, den Urlaubsverkehr sichern zu können.“

Krieg ist Frieden; Freiheit ist Sklaverei; Unwissenheit ist Stärke; Streichungen sichern Urlaubsverkehr. Hakt das Journalist*um an der Stelle nach? Entdeckt es eine gewisse Widersprüchlichkeit der Argumentation? Schlägt es gar die Hände über dem Kopf zusammen? Aber nein. Mit dem Statement des Eurowings-Sprechers lässt es seinen Artikel enden.

Wie sieht es unterdessen auf Straßen und Schienen aus?

Nein, Tankstellen lieben diesen Trick! Sie lieben es, wenn der Staat planlos drei Steuermilliarden für drei Monate Nahverkehr rauswirft und zeitgleich auf viele Milliarden Steuereinnahmen für Mineralöl verzichtet, um Bürgern irgendwelche ideologisch gebotenen „Erleichterungen“ zu verschaffen. Tankstellenbetreiber und Ölkonzerne kassieren daraufhin restlos jeden Cent dieser Steuerermäßigung selbst ein, indem sie den für die Autofahrer gedachten Rabatt einfach komplett wieder auf den Benzinpreis draufsatteln. Der steigt daraufhin bruchlos weiter, und das Kartellamt unternimmt nichts dagegen. Fast könnte man meinen, es liebt diesen Trick ebenfalls. Und nicht zuletzt lieben Werbeagenturen und Grafikbetriebe diesen Trick, weil er großformatige Aufträge bedeutet. Eigentlich lieben fast alle diesen Trick; hassen tun ihn nur diejenigen, denen der planwirtschaftliche Segen gelten sollte: die Bahnschaffner, die Busfahrer, die Berufspendler, die jetzt alle mit dem Transport-Chaos leben müssen. Gewöhnen Sie sich daran! Jetzt lenkt der Staat Ihre Zukunft.

Derweil sammelt sich das vom Neun-Euro-Ticket mobilisierte Heer der Mutanten Zombies Punks weiterhin in Westerland auf Sylt. Aufgetankt mit Dosenbier treffen immer neue Regimenter auf der Insel der reichen und schönen Psychopathen ein, um sich dort ein wenig umzuschauen und sich von ihren Antifa-Freunden auf keinen Fall an Systemfrömmigkeit übertreffen zu lassen. Wie schon wieder das kaputtgesparte Hamburger Abendblatt von hinter der sicheren Bezahlschranke berichtet (auf Sylt hat es den Großteil seiner noch nicht verstorbenen Leserschaft), beteuerte eine interviewte Punkine: „Wir tun doch niemandem was!“ Nach eigener Auskunft sorgt sie bei Bedarf auch engagiert für Ruhe im Puff.

Da fragt sich eine in Westerland ebenfalls von der Zeitung interviewte Urlauberin (69) völlig zu Recht: Wenn diese anständigen jungen Leute den Reichen schaden wollten, „warum gehen sie dann nicht nach Kampen auf die Whiskeymeile?“ Ihr Horden Mordors, hört auf die weise alte Frau!

Der Vatikan hat eine den Glauben stärkende Silbermünze herausgebracht. Sie zeigt die neue heilige Dreifaltigkeit: Häusärztin Dr. med. Immaculata, Impfschwester Hildegard und in der Mitte den vorbildlich maskierten Sören-Julius (16) – laut Münzprospekt ein junger Mann, „der bereit ist, sich impfen zu lassen“.

Als nächstes folgt dann, wie TWASBO von gewöhnlich gut informierter Seite im Himmelreich erfuhr, eine ganz ähnliche Münze mit dem Bildnis eines ehrwürdigen Priesters und eines blutjungen Messdieners, der bereit ist, sich tief in die Welt der Erwachsenen einführen zu lassen.

TWASBO liebt Debatten. Zum Posten Ihrer Meinung und Ihrer Ergänzungen steht Ihnen das Kommentarfeld unter diesem Text offen. Ihr themenbezogener Beitrag wird freigeschaltet, ob pro oder contra, solange er nicht gegen Gesetze oder akzeptable Umgangsformen verstößt. So wird Ihr User-Kommentar zum Statement gegen das Klima der Angst, in dem fast die Hälfte der Deutschen keine ehrliche öffentliche Äußerung mehr wagt – und damit für die gefährdete Demokratie. Danke!

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