Showers of Shit (8): L’Oréal Pure Carbon Duschgel

Marketing-Horror unter der Dusche: Was man mir schon am frühen Morgen zumutet, schreit nach kreativer Notwehr.

2022 ist da – und kein Ende dieser erschütternden Serie in Sicht. Man lässt mir halt keine Ruhe bei der Morgendusche; meine schlafverklebten Augen müssen weiterhin lesen, was auf den Packungen steht. Heute etwas Geduld bitte, weil es zunächst um eine Marke geht, die hier eigentlich gar nix zu suchen hat: Vattenfall. Der Energiekonzern, der 2015 das ultramoderne und emissionsarme Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg in Betrieb nahm, mit politischem Segen der Hamburger Regierungs-Grünen und in Anwesenheit von SPD-Scholz. Fast zeitgleich allerdings schwenkten die heutigen Bundesregierungs-Grünen auf eine sogenannte „Klimaschutz“-Agenda um, ebenso wie die damaligen Koalitionäre SPD und Union. Und im Juli 2021 wurde das gerade erst warmgelaufene Kraftwerk Moorburg stillgelegt. Forever.

Macht drei Milliarden Euro Bau- und Investitionskosten, die der Konzern steuernsparend abschreiben kann. Das ist deutsche Energiepolitik, verantwortet von Parteien, die Sie gewählt haben und wieder wählen werden. Seither predigt Vattenfall von der segensreichen „Dekarbonisierung“ des Landes und engagiert sich für „fossilfreien“ Stahl (ohne Dinosaurierskelette). Dieselben kleinen Kobolde, die den Strom im Baerbock-Netz speichern, pulen in Zukunft fein säuberlich die giftigen Kohlenstoff-Atome aus der Matrix unserer Welt.

Den umgekehrten Weg geht L’Oréal – und damit sind wir endlich beim Thema. Ich finde das mutig, in diesen Zeiten ein Duschgel namens „Pure Carbon“ herauszubringen. Reiner Kohlenstoff. Den tun die da rein. Absichtlich. Für den Mann. Und ich muss zugeben, dass mich das eher für als gegen den Hersteller einnimmt. Schon beim letzten Mal habe ich ja in dieser Serie für ein Männerduschbad mit Pavian-Extrakt geworben. Einfach als Bussi an die Wokeness-Gouvernanten.

So sieht reiner Kohlenstoff aus. Die Farbähnlichkeit mit hochgiftigem Quecksilber ist kein Zufall.

Aber hier geht man sogar noch einen Schritt weiter. Treibt es noch animalischer. Noch archetypischer. Hier wird der Caveman in mir angesprochen. Und der Caveman hört interessiert zu. Ich habe lange im Fachchinesen-Englisch des Inhaltsstoffeverzeichnisses auf der Plastikflasche recherchiert, wo sich wohl zwischen „Sodium-Hydroxide“ und „Polyglyceryl-10 Myristate“ der Inhaltsstoff Kohle verbirgt. Schließlich wurde ich fündig, und das öffente mir endgültig die Augen: „Charcoal Powder“ – Holzkohlepulver!

Eat this, Klimaschutzminster*in: L’Oreal brennt die Regenwälder des Amazonasbeckens nieder, um aus der rauchenden Asche das Holzkohlepulver zu gewinnen, das der Hersteller schließlich unter Beigabe von Nitroglyzerin sowie den unverkäuflichen Briketts aus Moorburg zu einer Paste mörsert und in Plastikflaschen abfüllt. Aber ist okay, denn die sind recycelt („ausgenommen Farbstoffe und Deckel“).

Außerdem hat dieses Holzkohleflüssigkonzentrat fast magische Kräfte: Es löst multiple Männerprobleme mit einem Schlag. Hier erst mal die Ausgangssituation laut Kleingedrucktem: „Jeden Morgen der gleiche Stress und zu wenig Zeit: Duschen, Haare waschen, rasieren, Bodylotion …“ Oh ja, das kenn ich. Die teure Bodylotion zum Beispiel, die ich mir aus Zeitspargründen unter dem Massagestrahl der Dusche einmassiere, wird mir dabei jeden Morgen gleich wieder aus dem Fettgewebe gespült, eine Verschwendung biblischen Ausmaßes. Und gleichzeitig putze ich mir mit der freien Hand auch noch die Zähne, während ich in die Duschtasse uriniere, nur um ein wenig Zeit zu sparen! Aber hier hilft das Kohlenstoff-Duschbad mit den „5 Wirkungen in nur einer Anwendung“: Es „reinigt & klärt“ mein Gesicht, meinen Körper, mein „maskulin duftendes Haar“ – und ist „sofort feuchtigkeitspendend“.

Halt, das waren ja nur 4 Wirkungen! Richtig, aber die fünfte verstehe ich einfach nicht: Das Zeug wirkt auch noch „für eine schonende Rasur“. Hä? Ätzt mir der Kohlenstoff etwa die Barthaarwurzeln weg? Versetzt er mich biochemisch in Trance, bevor ich vor dem Spiegel Hand an mich lege? Egal. Reiner Kohlenstoff kann alles. Pure Carbon. Stärkt mit Kohlefasern vielleicht sogar Ihr Rückgrat. Wenn das in klinischen Tests „unter dermatologischer und ophthalmologischer Aufsicht“ endlich mal nachgewiesen würde, dann wäre der Neue Mann © nicht mehr fern. Und die Hoffnung ist mir jeden Cent wert.

5 Kommentare

  1. Seitdem alle ständig mit Masken herumlaufen wollen, kann man auch aufhören zu duschen. Ist einfach Zeitverschwendung. Riecht ja eh keiner.

    Und wenn doch mal einer die Nase rümpft und fragt, ob man sich nicht mal waschen mag, kann man immer noch zurückfragen, ob man da nicht vielleicht seinen eigenen Mundgeruch unter der Maske schnuppert.

    https://www.oralflora.de/mundgeruch-durch-das-tragen-einer-maske-bei-pandemien/

    Ansonsten ist mir das ganz banale Stück Seife immer noch am liebsten.

  2. Ich finde es sehr tröstlich, dass die toxische Männerpflege auch weiterhin auf die Energiewende scheißt. Ich schwöre seit Jahren auf nuklear angereicherte Multifunktions-Duschbooster (Face/Body/Hair/Teeth/Analbleeching). Der Mann als Endlager – so war es schon immer, so soll es sein. Frohes und sauberes Neues, Kollege!

  3. „Ich finde das mutig, in diesen Zeiten ein Duschgel namens „Pure Carbon“ herauszubringen.“
    Immerhin gab es eine Netflix-Serie namens „Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm“, der allerdings nach zwei Staffeln die Kohle ausging, was die Unsterblichkeit geringfügig verfehlte.

    „Noch archetypischer“
    Der Köhler (Holzkohle herstellen durch Verschwelen von Holz) war früher ein Archetyp der zweiten Reihe, hat es aber im Gegensatz zum Drahtzieher nie zum Ausbildungsberuf gebracht. Legendär der verzweifelte Ausruf vieler, prekärer Jungfrauen: Dann heirate ich lieber den Köhler!

    „während ich in die Duschtasse uriniere, nur um ein wenig Zeit zu sparen!“
    In immer mehr Berufen gilt das Tragen von Windeln als Zeichen von unbedingtem Aufstiegswillen und vorbildlichem Ehrgeiz – Wie sähe denn auch ein von Toilettenpausen perforierter Master Plan aus?

    1. Der Köhler konnte ja sogar mal Bundespräsident werden! Kein Wunder, dass er dem Prekariat als strategisches Heiratsziel galt.
      Die flächendeckende Windellösung wäre allerdings wohl der Tod dieses Blogformats.

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