Showers of Shit (6b): duschdas Zitrone & Rosmarin

Marketing-Horror unter der Dusche: Was man mir schon am frühen Morgen zumutet, schreit nach kreativer Notwehr.

Gut. Fangen wir an. Alle da? Können wir? Liebe Kinder vom Neigungskurs Körperhygienemarketing: Beim letzten Mal hatten wir hier tetesept HELLO HAPPINESS untersucht. Wir hatten herausgefunden, dass Frauen für das Versprechen, Glück sei käuflich, gerne ein paar Euro mehr abdrücken. Man muss ihnen nur die totale Happiness in Aussicht stellen, und schon kaufen sie das Glück sogar als Duschgel. Wenn draufstünde „Zur inneren Anwendung“, würden sie’s auch trinken. Früher gab es dafür Frauengold, das wurde aber wegen alkoholischer Gewöhnungsrisiken vom Markt genommen.

Nun haben wir hier heute einen neuen Fall, der HELLO HAPPINESS so ähnlich ist, dass wir das bitte im Heft alles unter „Showers of Shit 6b“ aufschreiben statt unter „Showers of Shit 7“. Haben das alle? Nein, Vanessa, nicht „7b“! Ihr müsst schon mal zuhören. Wo war ich? Richtig, käufliches Glück. Wenn ich gerade sagte, es dürfe für Frauen ruhig auch etwas teurer sein, dann ist das hier das gegenteilige Extrem: Glücklich macht es auch, wenn es ganz, ganz billig ist. Und duschdas ist so billig, dass es im Drogeriemarkt immer im untersten Regal liegt, oft noch unter den No-Name-Produkten. Hinter einer Abdeckplane. Da, wo kein Licht hinscheint. Wo es staubig ist, wo Reste ab- und ausgelaufener Produkte von 1998 den Linoleumboden verkleben.

Aber auch in diesem Preissegment suchen Frauen das Glück. Und wie das so ist: Wer am Boden liegt, muss am lautesten brüllen. Da hilft kein HELLO HAPPINESS mehr. Da braucht es einen wahren Brunftschrei, einen Urknall an Glücksbesoffenheit, um wahrgenommen zu werden. Und den wollen wir jetzt mal alle zusammen intonieren, auf drei: eins, zwei, drei – „ich fühle mich überglücklich.“ – Wie bitte, euer Ernst? Das war kein Glück, das war Depression! Hier, die ersten drei Pultreihen, zackzack: – „Ich fühle mich überglücklich!“ – Boah, was ist denn mit euch los? Ich will, dass hier die Wände wackeln! Wollt ihr das totale Glück? – „ICH FÜHLE MICH ÜBERGLÜCKLICH!“ – Ahaaaa, schon besser! WOLLT IHR DAS TOTALE GLÜCK? – „ICH!!! FÜHLE!!! MICH!!! ÜBERGLÜCKLICH!!!“

Na also, geht doch. Weiter im Text: Wir werden heute … Vanessa? Du hast eine Frage? Wie, warum ist das Glück pipigelb? Das ist pipigelb, weil … weil … Zitrone! Mit Zitronen- & Rosmarinduft, steht doch da. Zitronengelb, die Farbe der spritzig-kraftvollen Reinigung. Ja, bitte, Vanessa, was denn noch? HELLO HAPPINESS war auch gelb? Also jetzt hör mal, mündliche Note hin oder her, aber HELLO HAPPINESS war gelb, WEIL DAS AUCH MIT ZITRONE WAR, VERDAMMT! Für Frauen, die mal ordentlich frische Zitronenpower sprudeln spüren und sehen wollen. Weil sie das glücklich macht, überglücklich. Capiche?

Gelb ist aber auch die Farbe des Neides, sagst du? Vanessa, Vanessa, Vanessa! Ich muss schon sagen, manchmal überraschst du mich. Ja, da rührst du an einen wichtigen werbepsychologischen Mechanismus: Neid auf Glück. Erst mach sie neidisch, dann mach sie glücklich. Je weniger Geld, desto mehr Gelb. Beneidenswertes Glück. Überglückliche Zitronen. Fassen wir also die Körperhygienemarketing-Learnings für heute zusammen: Willst du Frauen glücklich machen, gib ihnen die gelben Sachen! Sollen sie vor Neid erblassen, tu sie bei der Gelbsucht fassen!

So, bis zum nächsten Mal denkt sich jeder ein Glücksversprechen für Antischuppenshampoos aus, Zielgruppe: metrosexuelle genderfluide urban performers. Mit Begründung der Farbauswahl!

Nachtrag und Bonus-Horror:

Er hat sie zwar in seinem Kommentar unter diesem Text verlinkt, aber ich kann nicht anders und klaue seine geniale Creation schamlos, um sie hier auch noch mal zu zeigen. Als Musterstreber hat er meine gerade gestellte Hausaufgabe offenbar sehr ernst genommen und nur das Thema „Antischuppenshampoo“ leicht verfehlt. Trotzdem Eins plus mit Sternchen.

Ladies and Gentlemen, Dude! by Radikale Heiterkeit (von dem übrigens auch die schönsten nie erschienenen Buchcover samt Klappentexten stammen):

Und natürlich musste er trotz Bestnote nachträglich auch noch das Antischuppenshampoo-Thema bearbeiten. Man beachte das Logo der Antibakteriellen Aktion!

3 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.