Lesestoff zwischen Buchdeckeln

Nicht von mir, aber von mir auf die Welt gebracht: die wilden Geschichten der Solinger Blogger-Legende Andreas Glumm. 30 Short Stories vom Allerfeinsten, bloß nichts für feine Pinkel. Bei Glumm blickt man in ein runtergerocktes Solinger Kleinstadt-Universum voller Typen, die Heinrich Zille in einem Berliner Kiez des Jahres 1900 porträtiert oder vielleicht noch Kurt Tucholsky ebendort um 1930 belauscht hätte. Es ist bevölkert von Taugenichtsen, Tresenkönigen, Quartalssäufern, Junkies, Dauerpubertierenden, Kleingeistern, Dummschwätzern, Glücksrittern, Aushilfsjobbern und Nachteulen, von reinblütigen Spinnern und Querulanten, Lottospielern, Tagträumern und schon längst vom Leben Abgehängten. Sie alle zeichnet Glumm mit ganz sicherer Feder, denn er kennt sie alle und hat alles erlebt, was auch sie erlebt haben.

Seine Erzählungen sind Geschichten vom Südrand des sozialen Geschehens, dramatisiert mit einer solchen Präzision, dass wir stets vor unvergleichlich plastischen Figuren stehen, deren Lebendigkeit durch nichts zu erschüttern ist und mit denen man sofort bedingungslos fraternisiert. Dass all dies oft auch zu Lachtränen hinreißt, liegt an der schamlosen, aber eben nie würdelosen Art, wie Glumm diese Figuren durchs Leben stolpern lässt.

Andreas Glumm: Geplant war Ewigkeit, Geschichten vom räudigen Leben; mit zehn Illustrationen von Susanne Eggert; 364 Seiten, Paperback, 12,99 Euro. Zu beziehen z. B. hier, aber vorzugsweise in der Buchhandlung um die Ecke (ISBN 9783753178455).

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Die Titanic hat den Eisberg umschifft, und das liegt nur an Billy. Der adleräugige Passagier Billy Sloman ist vier Jahre alt, als der größte Dampfer der Welt im April 1912 nach seiner erfolgreichen Jungfernfahrt in New York einläuft. An Bord hat das Einwandererkind aus Europa den Kinematographen William H. Harbeck kennengelernt, der von Billys scharfem Blick begeistert ist. Der Mann mit den Filmrollen wird ihn nicht mehr aus den Augen lassen und sein weiteres Leben entscheidend prägen – für ein ganzes Jahrhundert.

Doch als Sloman am Ende auf dieses lange Leben zurückblickt, sorgen gewisse Merkwürdigkeiten in seinen Erzählungen für Streit mit einer geheimnisvollen Besucherin. Haben die Weltereignisse vieler Jahrzehnte, deren Zeitzeuge Sloman gewesen sein will, wirklich so stattgefunden? Liegen die Irritationen an der Verwirrtheit des Greisenalters? Oder vielmehr daran, dass alles an einem 29. Februar begann?

Oliver Driesens Roman über Zufall und Schicksal konfrontiert den Leser mit der Frage: Lebe ich – oder werde ich gelebt?

336 Seiten, Hardcover (22 €) / E-Book (9,99 €), Kadera-Verlag, Hamburg 2019

Zum Kauf geht’s in Ihre lokale Buchhandlung oder hier entlang.

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In der Nordsee vor der Hallig Langeneß plant der Wattenscheider Industrielle Konrad Klapp das ganz große Ding: die „Wattenstadt“, den ersten tauchfähigen Gezeiten-Erlebnispark der Welt. Mit skrupelloser Bauernschläue räumt der bestens vernetzte Turbokapitalist aus dem Kohlenpott alle Widerstände von Umweltschützern, Halligbewohnern und Behörden beiseite. Doch mit dem Starrsinn einiger bodenständiger Widersacher hat Klapp nicht gerechnet – und schon gar nicht mit der unterschätztesten Spezies im Wattenmeer, der Wellhornschnecke.

„Im Kern blödsinnig und trotzdem nah an der Wirklichkeit … ein mit viel Witz erzählter, kurzweiliger Roman … und ein kluger obendrein.“ (Lübecker Nachrichten)

Derzeit leider nur noch antiquarisch erhältlich.