Vom Sommer zum Winter ’22: Im Winde klirren die Fahnen

Die Leute leben im Hier und Jetzt. Die Welt des Augenblicks ist ihnen Badesee & Biergarten. Doch alle Wärme vergeht, wie es ein deutscher Dichter im Jahr 1804 in berühmten Versen vorausahnte. Während er als Romantiker gilt, nennen die ahnungslos Herrschenden sich Realisten.

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin (1770-1843), „Hälfte des Lebens“

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