Es ist nun verboten

Es ist nun verboten Raketen zu zünden,
denn vielerlei hoffnungsvoll freundliche Sterne,
sie wären ein Grauen für uns’re Gebieter,
die täglich uns feindliche Dunkelheit lehren.

Es ist nun verboten das Blei auszugießen.
Kein Abbild der bleiernen Zeit soll uns Narren,
die höchstens das Offensichtlichste glauben,
vor unseren eigenen Augen erstarren.

Es ist nun verboten auf Leitern zu steigen,
weil oben die Aussicht uns derart verstören
und um die Balance bringen würde, dass dieses
Verbot uns wohlwollend vorm Absturz bewahrt.

Es ist nun verboten uns Küsse zu stehlen,
denn Speichel ist Saft aus den Quellen des Todes,
von denen zu trinken wir zeitlebens eifrig
mit äußerster Abscheu zu leugnen haben.

Es ist nun verboten sie eng zu umfangen,
die Liebste, den Liebsten, denn alles, was nah ist
und körperlich, droht uns zusammenzuschließen
zum Bund gegen sie, die uns Abstand befehlen.

Es ist nun verboten die Netze zu knüpfen
den Fischern, die mutig auf störrischen Booten
vom Reichtum des Meeres das Ihre sich nahmen
und nicht erst erbaten von uns’ren Gebietern.

Es ist nun verboten auf Reisen zu gehen,
denn Lebenslust jenseits geschlossener Grenzen
könnte in Herzkammern eingeschleppt werden,
und keinerlei Impfung geböte ihr Einhalt.

Es ist nun verboten Verboten zu spotten,
denn heilige Tafeln sind ihre Gesetze
und höllisch die Strafen, die jedem der Spötter
zuteil werden durch uns’re ernsten Gebieter.

In Summe all dessen ist’s nunmehr geboten,
zur Bettzeit verbotene Wünsche zu wispern,
um dann in der Stille einstweilen zu lauschen,
wie all die geraunten Gedanken sich finden.


TWASBO wünscht allen Leserinnen und Lesern,
dass ihre Wünsche 2022 wahr werden!



9 Kommentare

  1. Vielen Dank für dieses Gedicht! Auch wenn es so traurig und deprimierend ist. Ich bin mir nicht sicher, ob es ausreichen kann, nur noch den geflüsterten Versen in der Stille zu lauschen, um seine menschliche Würde zu bewahren.
    Dennoch, in den Zeiten der Pest ist es nötig weiter zu machen.
    In diesem Sinne einen guten Rutsch und ein besseres 2022!

    1. Ich verstehe Sie gut, auch ich hatte da am Schluss zunächst weitaus lautere Töne stehen. Dieses Gedicht ist immer noch im Wandel, so wie die Lage und das ganze Land. Aber oft geht dem großen Crescendo ja ein vielstimmiges Pianissimo voraus.

  2. Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch und bin gespannt,was uns das nächste Jahr bringen wird .
    Beim Spaziergang mit meinem Sohn hatte ich vor gut einer Stunde tatsächlich festgestellt, wie Sie hier, was es alles nicht mehr gibt. Kein Bleigießen,kein Knall und Gepöff,keine Partys in Clubs oder Restaurants-aber Wunderkerzen soll es tatsächlich noch geben. Vielleicht stehen die aber auch bald auf der Abschussliste,wer weiß das schon.

Schreibe einen Kommentar zu TWASBO Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.