Der Staat verlässt TWASBO

… aber TWASBO nicht den Staat. Denn was die Bundesbeauftragte zusammengefügt hat, soll die Kulturstaatsministerin nicht scheiden. Zwischenbilanz des schwarz-rot-goldenen Magazins für Querzweifler nach vier Monaten Selbstversuch „Korrumpierung durch Staatsknete“.

Vor genau vier Monaten war es, da vermeldete ich an dieser Stelle eine unheilige Allianz: Die Bundesrepublik Deutschland in Gestalt der „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“ hatte 5000 Euro lockergemacht, um sie mir bis heute häppchenweise in den hungrigen Medienschlund zu werfen. Also nicht nur mir jetzt, sondern auch noch 2999 anderen „Stipendiatinnen und Stipendiaten“ – summa summarum 15 Mio. für einen durch die eigene Coronapolitik verschuldeten „Neustart Kultur“. Da TWASBO gemäß Prüfung durch die unabhängige Jury ein kulturelles Projekt ist, durfte ich meinen Teil als Phönix aus der Asche in Anspruch nehmen.

An dieser Stelle viele Grüße, Claudia Roth (Grüne)! Sie als Rechtsnachfolgerin der noch für mich zuständigen „Beauftragten“ Monika Grütters (CDU) lassen es sich ja nicht nehmen, sich in derselben Position als „Kulturstaatsministerin“ der Herzen zu feiern. Dabei ist Kultur in Deutschland Ländersache. Sie dürften also, selbst wenn Sie es könnten, keinelei Rahmenplanung oder gar -richtlinien für die künstlerische und geistige Fließbandproduktion zwischen Flens- und Freiburg aufstellen.

Aber hey, wollen wir in diesen Zeiten der grünen Rechtsbeugung, Pfründemehrung und Postenspreizung nicht kleinlich sein. Wer als größte politische und intellektuelle Leistung durch Berufskleidung im Stile einer expressionistischen Blumenwiese auffällt, der hat allemal die Kulturhoheit am sehr tiefhängenden Wolkenhimmel über Deutschland. Kulturstaatsministerin – passt scho, sagt der Franke.

Nun soll ich hier wohl ein amtliches Fazit meines viermonatigen Bundesschmarotzertums ziehen. Wo kommt TWASBO her? Wo geht es hin? Was hat das viele Geld mit diesem Magazin gemacht? Und warum ist es noch immer nicht verboten? All das gilt es nun anlässlich meiner Abdankung und finanziellen Abklemmung von den Trögen der Macht zu erwägen.

Aber ich feiere meine Partner- und Seelenverwandtschaft mit der Bundeskulturschreckschraube so hart, dass ich als erste Maßnahme meines Ruhestandes beschlossen habe: TWASBO wird die amtlichen Logos von „Neustart Kultur“, VG Wort und insbesondere der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien einfach weiter im Wappen führen. Das wurde mir – ohne Befristung – im Stipendiatenvertrag ausdrücklich verordnet, und wer wäre ich, gegen eine Verordnung zu verstoßen. Es bleibt ja auch in Zukunft wahr: Ich wurde „gefördert durch …“. Das ist juristisch absolut wasserdicht. Schwarz-rot-gold steht mir außerdem extrem gut, fast noch besser als gewissen Damen ihre in Primärfarben gescheckten Mondrian-Kulturponchos, als deren Günstling ich mich auch optisch weiterhin ausweisen möchte.

Auf der anderen Seite werde ich nun doch ein wenig kleinmütig. Vieles von dem, was ich mir vorgenommen hatte, ist trotz der Bundesmittel noch nicht erreicht. Meine Aktion „Störschreiber gesucht“ hat bislang zwar qualitativ hochwertigen, aber quantitativ noch viel zu seltenen Erfolg gezeitig, obwohl ich für hier erscheinende Artikel hoffnungsvoller Autorinnen und Autoren Honorare aus echtem Geld in Aussicht stellen konnte (und dank Sparsamkeit weiterhin kann). Die Pimpung und Flexibilisierung des TWASBO-Layouts hängt derzeit fest, auch wenn die nötige Software bereits unter der Haube steckt. Es ist einfach viel komplizierter als gedacht. Aber: läuft. Versprochen.

Das Einzige, was mir innerhalb des Zeitplans gelungen ist: Mein journalistischer Selbstversuch „Korrumpierung durch Staatsknete“ ist abgeschlossen. Und ich bin nunmehr ganz sicher: Wenn Spiegel, taz und FAZ in Zukunft mit Steuermilliarden gegen Rechts sowie gegen unaufhaltsamen Leserschwund zugeschissen werden, kann das keinerlei schädigende Wirkung auf die Qualität ihrer unabhängigen Berichterstattung mehr haben.

Also bitte, Staat, dürfte auch ich vielleicht noch mal 5000 …? Vielleicht auch monatlich? Bussi an Claudi!

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Ein Kommentar

  1. „Ich wurde „gefördert durch …“
    Bitte immer auch an den Plusquamperfekt denken:
    Ich war gefördert worden, bis der Zensor einschritt und die Staatsknete in Staatshaue umwandelte. Meine Genesung hat lange gedauert und wird erst in ca. 3 Monaten völlig abgeschlossen worden sein, wenn man dem Medizin-Mafioso Glauben schenken darf

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