In TWASBO steckt jetzt Staat

… zumindest für vier Monate und so weit 5000 Euro tragen. Doch was macht das mit mir? Werde ich zum Globalisten mutieren? Wird mir die Impf-Apartheid gerecht vorkommen und der Wegfall der Grundrechte halb so wild? Startschuss für einen Selbstversuch.

Wie korrupt bin ich eigentlich? Fast jeder Mensch ist käuflich, aber wie hoch ist mein Preis? Kann es sein, dass man mich als hired gun des Establishments im Schlussverkauf schon für 5000 Euro bekommt? Das sind Fragen, denen ich – gemeinsam mit Ihnen, liebe Leser – in den nächsten vier Monaten auf den Grund gehen werde. Denn ich habe die 5000 angenommen. Lassen Sie mich erklären.

Irgendwann im August war’s, da bewarb ich mich um ein sogenanntes Stipendium. Es war ausgeschrieben durch die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort), einen „rechtsfähigen Verein kraft Verleihung“, der Autoren-Tantieme bewirtschaftet. Ich bin seit Jahrzehnten sein „Wahrnehmungsberechtigter“, und das qualifizierte mich schon mal zur Teilnahme.

Als überwiegend journalistisch tätiger Autor durfte man allerdings nur dann mitmachen, wenn man ausdrücklich ein „feuilletonistisches“ Förderprojekt anbieten konnte. Und bitte sehr, hiermit ist offiziell zertifiziert, was ich insgeheim schon immer vermutet habe: TWASBO, das freigeistige Zweifler-Magazin, fällt in dieselbe Kategorie wie der woke Literaturteil der FAZ – ins Feuilleton.

Dem Antrag war natürlich eine Begründung beizufügen, was mir denn förderungswürdig erscheine. Dazu zitiere ich hier, was ich an die Jury schrieb: „Zielgruppe des Magazins ist eine erwachsene, literaturaffine, höher gebildete und kritisch hinterfragende Leserschaft, die Freude an den Darstellungsmöglichkeiten der deutschen Sprache und an polemisch-provokativer Meinung hat. Das Magazin regt ausdrücklich zur Debatte an, an der Leserinnen und Leser über die (moderierte) Kommentarfunktion teilnehmen können. Debatte und Meinungsstreit wird als Kernelement der Verteidigung der Demokratie gegen autoritäre Tendenzen verstanden und gefördert.“

Bingo! Verteidigung der Demokratie gegen autoritäre Tendenzen fand die unabhängige Jury offenbar gut. Ich hatte nach meinen Erfahrungen in den vergangenen beiden Jahren eigentlich gedacht, V.d.D.g.a.T. sei heutzutage eher ein Ausschlusskriterium aus dem Hause der Anständigen. Da sieht man mal, wie falsch man liegen kann. Aber wer sind denn nun meine Gönner konkret?

Die Ausschreibung des Stipendiums geschah „im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien initiierten Programms NEUSTART KULTUR“. Da kommt mit anderen Worten der Segen her: 15 Millionen Euro alles in allem, 5000 für jeden der 3000 Stipendiaten, mit Gruß und Kuss von Vater Staat. Halt, nein: von Mutter Erde. Die Beauftragte, weiblich, ist die „deutsche Kulturpolitikerin“ (Wikipedia) Monika Grütters, CDU. Aus der Partei Angela Merkels, die uns als Kanzlerin gnadenlos, über inzwischen fast zwei Jahre und gegen alle vernunftbetonten Widerstände, in den permanenten Coronamaßnahmenstaat geführt hat. Weswegen es nach ihrer de facto immer noch nicht erfolgten Abdankung jetzt einen „Neustart“ braucht. Er kommt zu einem originellen Zeitpunkt, dieser Neustart. Ja, da hat jemand Gespür für Ironie.

Lassen Sie mich, meine Damen und Herren auf den Bänken der scheidenden Regierungskoalition, an dieser Stelle aber zunächst einmal etwas Systemstabilisierendes sagen, gerade auch an die Adresse von Frau Grütters: Ich finde es gut, Ihr Programm „Neustart Kultur“! Ich wiederhole: Ich finde das gut. Nicht nur, weil ich aus diesem Programm Geld bekommen habe, sondern weil es dank Ihres Parteienkartells unglaublich viele Autoren und Künstler gibt, die dieses Geld mindestens so gut gebrauchen können wie ich.

Denn die grotesk unverhältnismäßigen, dieses Land sinnlos lähmenden Corona-Lockdowns ihrer Regierungspartei, Frau Grütters, haben Dinge geschafft, die vorher niemand für möglich gehalten hätte: Die „Maßnahmen“ eines von der Verfassung nicht vorgesehenen und das Parlament ad absurdum führenden Direktorats haben nicht nur volkswirtschaftliche Schäden im geschätzt dreistelligen Milliardenbereich angerichtet. Sie haben das Land nicht nur zutiefst demoralisiert und gespalten. Sie haben als Teil dieses moralischen und ökonomischen Massakers auch zahllosen weniger bekannten Künstlern und Autoren das Genick gebrochen.

Ihre politischen Freunde, Frau Grütters, haben den Motor der Kultur und des demokratischen Zusammenlebens in der Tat abgewürgt. Und gerade, als er wieder stotternd zu laufen beginnt, legen dieselben Leute ihn jetzt erneut und irreparabel lahm – durch klar grundgesetzwidrige Irrsinnsaktionen wie Impf-Apartheid, faktische Berufs- und Bildungsverbote für Ungeimpfte, dazu schon in den nächsten Wochen womöglich Ausgangs-, Beförderungs- und Ausreiseverbote, mithin die gezielte Inhaftnahme einer ganzen Bevölkerungsgruppe. Jede einzelne dieser Taten ein zerschmettertes Tabu, wie es in 72 Jahren Bundesrepublik nicht einmal in Albträumen denkbar schien. Aber wegen der sonst vielleicht ableitbaren persönlichen Verantwortung für Gesundheitsschäden schreckt Ihre Partei dann doch lieber feige davor zurück, stattdessen einfach eine Impfpflicht einzuführen.

Wenn Künstler und Autoren gegen diesen ganzen Horror ihre Stimme erheben wollten, haben die Demonstrationsverbote, Polizeiknüppel und das Meinungsmobbing Ihres politischen Lagers samt vorgeschalteter Mainstreammedien und „Aktivisten“ sie weitgehend mundtot gemacht und kriminalisert. Danke also für das 5000-Euro-Feigenblatt, Frau Grütters, aus den von uns dennoch weiter treudoof gezahlten Steuermitteln, während wir ohne Ihre Regierung trotz Corona ein Vielfaches davon erarbeitet hätten. Oh ja, der Kulturmotor bedarf einer Runderneuerung. Sie dürfen es auch Neustart nennen. [Lang anhaltender, rhythmischer Beifall bei allen Fraktionen, Glocke der Präsidentin, Radetzkymarsch, Abgang]

Nun, da ich meine förmliche Dankesrede gehalten habe, werde ich mich aber endlich meinen Stipendiatengeschäften zuwenden. Sie bestehen am ersten Tag meiner viermonatigen Amtszeit darin, dass ich mein Magazin – wie im Fördervertrag unter §9 („Hinweis auf das Stipendium“) vorgeschrieben – mit den Logos der mich unterstützenden Institutionen tapeziere. Ich könnte sie im Layout für die nächsten vier Monate, in denen ich als fleißiges Bienchen am Honigtopf des Staates einiges vorhabe, sogar zum optischen Inventar dieser Seiten machen. Hiermit, an diesem 16. November 2021, pflanze ich im Lande TWASBO unter anderem die Standarte des Bundes auf, tschingbumm:

Gefördert durch:

Aah, ich spüre schon, wie ich mich zu verändern beginne: Ich werde altersmilde, lifestyle-links und multitolerant. Begleiten Sie mich auf meinen neuen Wegen, liebe Leser! Wenn Sie zukünftig auf TWASBO klicken und Sätze lesen wie: „Heute ist es an uns, nicht zuzulassen, dass die Verächtlichmachung von Demokratie wieder bequemer wird, als für sie einzustehen“– dann denken Sie bitte nicht: Gott, tut der Driesen heute wieder staatstragend! Sondern denken Sie: Allerhand, Herr Bundespräsident!

Und lassen Sie uns dann darüber nachdenken, wie wir die Demokratie vor ihren Maulhelden retten.

TWASBO liebt Debatten. Zum Posten Ihrer Meinung und Ihrer Ergänzungen steht Ihnen das Kommentarfeld unter diesem Text offen. Ihr themenbezogener Beitrag wird freigeschaltet, ob pro oder contra, solange er nicht gegen Gesetze oder akzeptable Umgangsformen verstößt. So wird Ihr User-Kommentar zum Statement gegen das Klima der Angst, in dem fast die Hälfte der Deutschen keine ehrliche öffentliche Äußerung mehr wagt – und damit für die gefährdete Demokratie. Danke!

5 Kommentare

  1. Unsereins muss auf sleazigen Fan-Portalen seine alte Unterwäsche verhökern und der feine Herr Driesen wird hier mit staatlichen Stipendien geboostert! Briefbombe ist unterwegs!

  2. „eine erwachsene, literaturaffine, höher gebildete und kritisch hinterfragende Leserschaft“
    Genau, und darum lese ich die TWASBO-Happen aus purem Zweiflerfleisch auch immer dem begeistert kläffenden Zwergpudel meiner Nachbarin vor.

    „Monika Grütters, CDU“ (–> Auszeichnungen laut Wikipedia)
    Eine mustergültige Anti-Korruptions-FelsIn: gemäß der „Richtlinie der Bundesregierung zur Korruptionsprävention in der Bundesverwaltung“ vom 30. Juli 2004 musste sie die Annahme der ihr zustehenden 99 Weinflaschen [Julius-Campe Preis 2017] jedoch ablehnen. Ritter des Ordens vom Atztekischen Adler konnte sie jedoch werden, denn im rückständigen Mexiko bekommen nur Männer zusätzlich zum Orden 99g Kokain mit Autogramm von Pablo Escobar.

    „Logos der mich unterstützenden Institutionen tapeziere.“
    Neu,Start,Kultur soll der Tendenz zur Rechtsbündigkeit vorbeugen und verhindern, dass Buchstaben, die Grundbausteine der Kultur, zu bloßen Überbrückungshilfen klaffender Geradlinigkeitslücken degenerieren.

    Im Übrigen meinen Glückwunsch zu den honigsüßen 5000€: So ein bisschen Korruption hat noch keinem geschadet.

    1. Ich bedanke mich artig für die Korruptions-Beglückwünschung! Versuche nur, es meinem Staate gleichzutun. Die Rechtsbündigkeit des Neustarts war mir noch gar nicht aufgefallen, wie zeitgemäß! Ansonsten will ich jetzt nicht zu viel versprechen, aber vermutlich schon am Wochenende werden Sie bei TWASBO Bekanntschaft mit einem sehr biegsamen Gedankenstrich machen können, der die „klaffenden Geradlinigkeitslücken“ mühelos überwinden würde. Möge er uns allen zum Vorbild gereichen!

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